Japanische Kunst

Reinhard und ich kennen uns nun schon seit Jahren. Er ist ein Freund, dem ich blind vertrauen kann – in jeder Hinsicht. Als sich vor einiger Zeit abzeichnete, dass ich beruflich in Düsseldorf zu tun haben werde, da rief ich ihn an und fragte, ob wir – wenn ich schon einmal bei ihm in der Stadt bin – nicht vielleicht gemeinsam etwas unternehmen könnten. Er sagte umgehend zu. Kurze Zeit später rief er zurück und meinte, dass er eine Überraschung für mich klar gemacht habe. Er bat mich, hinsichtlich meiner Bekleidung eine helle – aber nicht weiße – Hose zu tragen. Ich entschied mich also für ein Business casual in elegantem Hellgrau. Als ich aus dem Taxi stieg, da erwartete er mich bereits vor der Haustür und dirigierte mich umgehend in sein Auto. Wir fuhren anschließend nach außerhalb zu einem alleinstehenden Haus. Während der Fahrt meinte Reinhard nur, dass wir bereits von zwei weiteren Paaren erwartet werden würden – und dass einer der beiden Herren ein ausgesprochener Meister des Shibari sei. In dem Augenblick ging mir auf, um welche Art von Überraschung es sich handelte. Daher will ich einmal etwas zum Shibari sagen.

Shibari ist eine japanische Kunst, hier im Westen auch unter dem Begriff „Japan-Bondage“ bekannt, obgleich dieser Begriff den Kern des Shibari nicht einmal näherungsweise trifft, weil „Japan-Bondage“ unwillkürlich Assoziationen mit BDSM-Fesselspielen hervorruft. Doch damit hat echtes Shibari nur herzlich wenig zu tun. Geht es beim Bondage um die Immobilisierung, so ist die beim Shibari gar nicht unbedingt erforderlich. Beim Shibari steht einzig die reine Erotik im Vordergrund – sowohl als sinnlicher Anblick für den Fesselnden (Rigger genannt) wie auch als Dauerstimulation aller möglichen, erogenen Zonen bei der Gefesselten (als Bunny bezeichnet). Der japanischen Kultur entsprechend ist nicht nur die Funktionalität entscheidend, sondern auch eine besondere Ästhetik erwünscht. Werden die Seile sehr stramm fixiert, dann spricht man vom (Shibari-) Kinbaku und das vermittelt unglaubliche, einander widerstrebende Lustgefühle.

Ich fühlte mich zugleich erniedrigt und erhöht, sinnlich stimuliert und schmerzlich gepeinigt, weil jede einzelne Bewegung über die Seile eine andere erotische Zone reizte. Als Seile finden übrigens ganz im Gegensatz zum Bondage nur spezielle – d. h. mit Ölen geschmeidig gemachte – Hanf- und Juteseile Verwendung, auch ist es nicht unbedingt nötig, für die Fesselung völlig nackt zu sein. Druck und Reibung der Seile übertragen sich auch durch die Unterwäsche hindurch sehr gut. Wer an den technischen Details interessiert ist, der oder dem sei als Einstieg Wikibooks empfohlen. Rolf – so hieß unser Shibari-Meister – begann mit einer kleinen Einführung hinsichtlich der Seile und der Knoten. An jeder von uns drei Frauen demonstrierte er anschließend eine immobilisierende Fesselung von unterschiedlicher Art. Schließlich waren unsere Partner unter Rolfs Anleitung an der Reihe, um sich als Rigger zu betätigen. Jede von uns erhielt eine nicht-immobilisierende Fesselung und wir mussten hinterher darüber die Oberbekleidung wieder anlegen, so dass von den Seilen nichts mehr zu sehen war.

Smalltalk, Tanz, Unterhaltung, Snacks usw. folgten – ein vermeintlich ganz normaler Abend. Doch es brauchte nur wenig Zeit, bis erkennbar wurde, warum wir Frauen helle Hosen hatten tragen sollen. Denn die Seile heizten uns mächtig ein – jeder von uns! Und bei jeder von uns zeichnete sich dann ein dunkler Fleck zwischen den Beinen ab. Ratet mal, woher der kam! Nun, es wurde wie nicht anders zu erwarten war, dann noch ein äußerst lustvoll-unterhaltsamer Abend, aber das gehört nicht hierher. Mein Fazit aus diesem erotisch-sinnlichen Event lautet: Wenn ihr Shibari noch nicht kennt, dann probiert es unbedingt mal aus! Es ist ausgesprochen erregend und frau kann sich so richtig fallenlassen. Außerdem vermittelt es irgendwie auch ein Gefühl des sicheren Eingepacktseins. BTW: Ist letztgenanntes Feeling nicht auch genau das, was DWTs so sehr zu schätzen wissen?

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Meine Bücher findet ihr zum Einheitspreis von 4,99 Euro bei Beam. Selbstverständlich DRM-frei und durch das PDF-Format kompatibel zu fast allen eBook-Readern, Computern, Tablets und Smartphones. Sinnlich und erotisch: Lesen einmal etwas anders … 😉

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