Geschlechterrollen

Auf den ersten Blick erscheint die Sache einfach: Es gibt zwei Geschlechter, nämlich Frau und Mann. Doch das ist nur eine verfälschend-einfache Betrachtungsweise, denn sie berücksichtigt lediglich die primären Geschlechtsmerkmale. Das größte Sexualorgan aber ist unser Gehirn. Das legt fest, wie wir uns fühlen und in welche Geschlechterrolle wir wirklich hinein passen. Zusätzlich gibt es zwischen Mann und Frau noch einen recht großen Mischbereich, biologisch repräsentiert durch die so genannten „Futanari Girls“ (d. h. durch Menschen, die beiderlei primäre Geschlechtsmerkmale aufweisen und überwiegend als Frau auftreten) und die so genannten „Kathoey“, auch „Katoey“ oder „Katoy“ genannt und im Westen als „Ladyboy“ oder „Transvestit“ bezeichnet (d. h. Frauen, deren primäres biologisches Geschlechtsmerkmal das eines Mannes ist).

Beide Gruppen fallen biologisch betrachtet unter den Oberbegriff „Transgender“ und Transgender sind gar nicht mal so selten. Statistiken weisen darauf hin, dass etwa jeder zehnte bis – unter Beücksichtigung des Gehirns – sogar jeder dritte Mensch einer der beiden Gruppen (zumeist allerdings der Ladyboy-Gruppe) zuzuordnen ist. Im asiatischen Raum sind Transgender tendenziell häufiger als im westlichen Kulturkreis vertreten, weil zumindest im Westen die erstgenannte Gruppe i. d. R. schon im Kleinkindalter einer Zwangsoperation unterzogen wird, damit das biologische Geschlecht eindeutig festgelegt werden kann, denn schließlich muss die Geburtsurkunde ja „männlich“ oder „weiblich“ ausweisen. Damit wird allerdings auch ein Mensch auf Eigenschaften fixiert, die sie oder er womöglich gar nicht haben. Für alle Betroffenen bedeutet das Verharren in einer gesellschaftlich fest zugewiesenen, starren und im Grunde genommen widernatürlichen Geschlechterrolle (Mann oder Frau und nichts anderes) nicht selten ein lebenslanges Martyrium.

Dabei bleibt das Gehirn unberücksichtigt, obwohl es über hormonelle Regelkreise Aussehen und Verhalten einer Person maßgeblich beeinflusst. Weibliche Gehirne im Männerkörper (woraus oftmals nachgiebig-feminine, intuitiv agierende, mitfühlende und „atypische“ Männer resultieren) und männliche Gehirne im Frauenkörper (was nicht selten zu herrisch-dominanten „Mannweibern“ führt) sind daher gleichfalls vorhanden. Nimmt man die Gruppen der „Futanari Girls“, der „Ladyboys“ und der „vertauschten Gehirne“ mit jeweils rund zehn Prozent der Bevölkerung an, dann trifft es das vielleicht nicht ganz, weist aber tendenziell durchaus in die richtige Richtung. Hier setzt die Psychologie an, bspw. mit dem BSRI, dem Bem-Sex-Role-Inventory. Der BSRI untersucht unabhängig vom biologischen Geschlecht, ob jemand mental wirklich Mann oder Frau oder irgend etwas dazwischen ist. Die kanadische Psychologin Sandra Bem hat im Rahmen von jahrelangen Studien festgestellt, dass

… bei uns biologischen Frauen …

– 10% eindeutig feminin sind,
– 40% androgyn-weiblich bis androgyn sind,
– 40% androgyn bis androgyn-männlich sind und
– 10% eindeutig maskulin sind;

… bei den biologischen Männern …

– 10% eindeutig maskulin sind,
– 40% androgyn-männlich bis androgyn sind,
– 40% androgyn bis androgyn-weiblich sind und
– 10% eindeutig feminin sind.

Was bedeutet das jetzt für uns Frauen? Es bedeutet, dass sich das alte Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ bestätigt. Die Hälfte von uns Frauen tendiert zum Dominieren und die Hälfte der Männer dazu, dominiert zu werden, sofern man die eigene Seite der anderen Geschlechterrolle zu akzeptieren bereit ist. Der Mann, der dominiert werden möchte, ist leicht zu führen, wenn wir ihm gestatten, seine verborgene, weibliche Seite auszuleben. Doch wie erkennen wir, ob ein Mann so eine Seite überhaupt hat? Es gibt Details seines Verhaltens, aus denen wir so etwas ableiten können. Mit Abstand am einfachsten ist das beim Damenwäscheträger. Wenn er Damenwäsche trägt oder dazu gebracht werden kann, sie zu tragen (bspw. durch einen Kleidertausch nach dem gemeinsamen Beisammensein, weil ihm bei Kälte die Nylonstrumpfhose lieber als die lange Unterhose ist o. ä.), dann ist die Sache sowieso klar. Unterstütze ihn in seiner Neigung und er legt dir die Welt zu Füßen!

Und bei denen, die kein Faible für Damenwäsche haben bzw. bei denen man das nicht weiß oder nicht erkennt? Auch da gibt es zumindest ein ziemlich sicheres Indiz, und zwar deren Vorliebe für sekundäre Geschlechtsmerkmale. Anders ausgedrückt: Der androgyn-weibliche bis feminine Mann weiß große Brüste sehr zu schätzen – ja, er verehrt sie geradezu! Gar nicht mal selten würde er liebend gerne selbst welche haben! Es gibt durchaus Männer mit Brust. Man nennt das Gynäkomastie. Diejenigen, die eher maskulin eingestellt sind, lassen sich die Brüste operativ verkleinern. Diejenigen aber, die eher feminin veranlagt sind, betrachten ihren Busen wie eine Auszeichnung, ja tun mitunter sogar alles zu dessen Vergrößerung! Es ist nur logisch und folgerichtig, dass dieser Mann auch einen BH trägt. Ein solcher Mann ist tief in seinem Innersten aber auch eher devot veranlagt. Er braucht – neben der Möglichkeit, seine ureigensten Neigungen ausleben zu dürfen – klare Worte und kann dann leicht geführt werden. Solche Beziehungen sind i. d. R. von Dauer.

Das gilt selbstverständlich auch für den umgekehrten Fall, nämlich für den dominanten Mann und die eher submissiv veranlagte Frau. Ob eine Frau eine solche Veranlagung in sich trägt, zeigt sich am deutlichsten beim Sex. Die devote Frau ist Fesselspielen gegenüber nicht abgeneigt, ja mehr noch, sie befürwortet so etwas vielleicht sogar ausdrücklich. Sie möchte sich so richtig fallenlassen und alle Verantwortung abgeben. Wie weit das dann ggf. in Richtung auf BDSM ausgebaut wird, müssen beide gemeinsam entscheiden. Gegenseitiges, unbedingtes Vertrauen ist dabei am wichtigsten. Was aber garantiert zu einer Beziehungskrise führen wird sind die Kombinationen von rein femininer Mann und rein femininer Frau oder von rein maskuliner Mann (der allseits berüchtigte Macho-Typ) und maskulin eingestellter Frau (eher der Dominatyp). So etwas muss auf die Dauer schiefgehen!

Dazwischen existiert noch der große Bereich der Switcher. Androgyn-weibliche bis androgyn-männliche Frauen mit androgyn-männlichen bis androgyn-weiblichen Partnern. In solchen Fällen hat mal der eine und mal der andere Part in der Beziehung die Oberhand; es handelt sich um ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Damit das aber auf die Dauer funktioniert, spielen Intelligenz und Einfühlungsvermögen die tragende Rolle. In solchen Fällen ist Egoismus die sicherste Möglichkeit, um eine Beziehung scheitern zu lassen. Wir wir sehen, ist das mit der Geschlechterrolle also gar nicht mal so einfach. Es liegt daher an jedem von uns selbst, die eigene, echte Geschlechterrolle heraus zu finden und die oder den Partner auch davon zu überzeugen, dass diese Geschlechterrolle ausgelebt werden muss, damit eine Beziehung langfristig stabil bleibt. Das aber nun hat sehr viel mit Toleranz, Akzeptanz und sexueller Offenheit zu tun!

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2 Gedanken zu “Geschlechterrollen

  1. Mein Name ist Vorzugsweise Susan Winter.Ich kann von mir sagen ich bin 46 Jahre und ein (Mann) im falschen Körper. Das habe ich schon sehr früh mit etwa 10 Jahren gemerkt. Denn Kleider, Röcke, Nylons, Schminke Kosmetik…all diese Sachen haben mich Damals als auch Heute angezogen.
    Ich wurde früher von meinen Eltern verurteilt als Sie ein kurzes Minikleid unter meinem Bett im Kinderzimmer fanden. Ich wurde geschlagen und gedemütigt, als schwules Dreckschwein ausgeschimpft. Dabei habe ich doch nichts verbrochen. Sondern nur auf meine Gefühle gehört.
    Von diesem Zeitpunkt ab wusste ich, was ich sein wollte „eine Frau, mit all Ihren Facetten“.
    Es blieb mir aber verwehrt.
    Ich bin nun seit 25 Jahren verheiratet.
    Mit einer liebe und verständnisvollen Frau.
    Ja ich lebe immer noch im Männerkörper. Aber…ich arrangiere mich mit Ihm. Ich lebe meine feminine Seite aus. Ich trage Nylons, ich habe einen echten Busen. Habe Highheels und schöne Minikleider und Röcke.
    „Und ja…meine Frau weiß das“.
    Wir gehn gerne shoppen, Lippenstifte, Nagellack, Make Up, und all die Sachen, die das Frau sein schöner machen. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, wäre ich Heute eine komplette Frau. Aber so komm ich damit klar.
    Ich möchte Euch nur ans Herz legen, …verleugnet Eure Neigung, den Wunsch eine Frau zu sein nicht! Denn es ist Euer Körper und Euer Leben…
    In diesem Sinne…
    Eure Susan Winter

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  2. Zunächst einmal Glückwunsch zu dieser äußerst interessanten und informativen Website! Bin zufällig drüber gestolpert und hab gleich angefangen zu lesen.

    Insbesondere der Artikel „Geschlechterrollen“ hat mich gleichermaßen fasziniert wie verblüfft. Ich hätte nicht damit gerechnet, mich tatsächlich hier wieder zu finden. Ich bin tatsächlich der androgyn-weibliche bis feminine Mann, der oben beschrieben wird. Angefangen vom „Damenwäscheträger“ (gräßlicher Ausdruck, ich bin mehr für „jemand der Kleidung trägt, die überwiegend von Frauen getragen wird), bis hin zu einem Mann, der „….. folgerichtig, dass dieser Mann auch einen BH trägt.“ Jede der oben beschriebenen Eigenschaften trifft auf mich persönlich zu. Tja, bin irgendwie erleichtert, hatte ich doch hier und da das Gefühl, irgendwie nicht „normal“ (was immer auch „normal“ -DIN XXXXX?- sein mag) zu sein.

    Danke für diesen Artikel, er hat mir sehr geholfen, mich selbst zu finden.

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