Zwischenstand

Der Monat ist beinahe schon wieder rum und ihr fragt euch sicherlich, was ich so treibe. Nein, DAS meine ich damit nicht ;). Sondern anderweitig. Nun, ich will es euch sagen: So nach und nach entsteht ein neues Buch mit dem Arbeitstitel „Wired“, in dem es um die wundervolle, vom Feeling her geradezu unvergleichliche Elektrostimulation, kurz Estim, gehen wird. Daneben lektoriere ich allerdings noch eine Kurzgeschichtensammlung. Dieses Buch ist eigentlich fast schon fertig, aber das Lektorieren ist so unendlich laaaangweilig … Eher fallen mir da schon neue Geschichten ein. Wie diese hier, wie der „Kaffeeklatsch“.

Kaffeeklatsch

„Braucht ihr sonst noch etwas?“, fragte Eugen, nachdem er seiner Gattin Esther und deren Freundin Dorothea den Kaffee serviert hatte. „Nein, danke. Wir kommen allein zurecht.“ Die Antwort seiner besseren Hälfte signalisierte ihm, dass die beiden Frauen unter sich sein wollten. „Gut. Ich bin dann unten in der Werkstatt und repariere mal den Staubsauger.“ Mit diesen Worten verschwand der Mann. Dorothea sah ihm sinnend nach und begehrte zu wissen: „Wie lange seid ihr jetzt eigentlich schon verheiratet?“ „Fünf Jahre“, erwiderte Esther. „Und hast du denn gar keine Angst, dass Eugen dich mal betrügen könnte?“ „Nein, das wird er definitiv nicht tun!“ „Du bist dir da aber sehr sicher!“ „So sicher, wie man sich als Frau nur sein kann.“ Dorothea schüttte etwas Milch in ihren Kaffee und rührte den schweigend um, dachte über die vielfältig interpretierbare Antwort ihrer Freundin nach.

Schließlich meinte sie: „Wenn ich mich recht entsinne, dann hattest du vorher beinahe schon Panik, niemals einen vernünftigen Mann abzukriegen. Und dann …“ – Dorothea schnippte mit den Fingern – „… urplötzlich Eugen. Quasi wie aus dem Nichts. Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt? Zufall?“ „Wenn ich dir das erzähle, dann wirst du wahrscheinlich lauthals loslachen!“ „Nein, ganz bestimmt nicht. Es interessiert mich nämlich wirklich!“ „Das könnte jetzt aber ziemlich intim werden …“ „Umso besser! Ich bin ganz Ohr!“ „Na gut. Sagt dir das Kürzel PCA irgendwas?“ „PCA? Nein. Nie gehört.“ „PCA steht für ‚Perfect Couple Agency‘.“ „Agentur für perfekte Paare? Ist das der Name deiner Partnerbörse?“ „Ja. Sie wurde mir als nicht ganz billiger Geheimtipp empfohlen, dafür aber mit extrem großen Erfolgsaussichten.“ „Und du hast dich dort angemeldet. Wie lief das? Das musst du mir jetzt aber schon ein Bisschen genauer erklären!“

„Na gut“, seufzte Esther, die ihre Freundin nur allzu gut kannte. Wenn Dorothea erst einmal Blut geleckt hatte, dann blieb sie dran. Bis ins kleinste Detail. „Das war so: Ich rief die betreffende Internetseite auf und las mir durch, wie das mit dieser Partnerschaftschaftsbörse funktioniert. Sinngemäß wurde gesagt, dass perfekte Partnerschaften weniger auf Liebe als vielmehr auf gleichen oder sich gegenseitig ergänzenden Interessen basieren. Wobei die sexuellen Vorlieben eine extrem wichtige Rolle spielen. Liebe entsteht dann oftmals erst im Nachhinein daraus. Ich muss gestehen, dass ich diese Sichtweise der Dinge doch zuerst als etwas abartig empfand. Auch wurde gleich von vornherein auf die Kosten hingewiesen, nämlich sechshundert Euro pro Partner im Erfolgsfalle. Überhaupt gewann ich den Eindruck, dass die Webseite unterschwellig eher dazu diente, Neugierige abzuschrecken als neue Kunden anzulocken. Was sich später ja auch als vollkommen richtig herausstellte.“

„Und weiter?“ „PCA rühmte sich damit, eine solide Datenbank von ernsthaften Interessenten zu haben. Und zwar ausschließlich von ernsthaften Interessenten. Jeder konnte sich in diese Datenbank aufnehmen lassen. Das war erst einmal kostenlos. Um Fakes auszuschließen, erfolgte eine Überprüfung der Nummer des Personalausweises. Die bot die Gewähr dafür, dass nur real existierende Personen in die Datenbank aufgenommen werden konnten. Zur Aufnahme in die Datenbank mussten online Fragebögen ausgefüllt werden. Zu Alter, Aussehen, Haarfarbe, Geschlecht, Cupgröße, Wohnort, Interessen, Gewicht, Größe, Hobbys usw. Das war der allgemeine Teil und noch ziemlich unverfänglich. Danach folgte der viel umfangreichere, sexbezogene Teil. Bei dem ging’s wirklich sehr an’s Eingemachte. Das war höchst intim.“

„Inwiefern? Nenn‘ doch mal ein paar Beispiele!“, forderte Dorothea, bei der sich so langsam ein gewisses Kribbeln breit machte, ihre Gastgeberin auf. Esther erinnerte sich: „Sind Sie hetero, bi oder schwul bzw. lesbisch? Stehen Sie eher auf Quickies oder zelebrieren Sie Sex lieber als langes Event? Wie würden Sie selbst ihre innersten Interessen einschätzen – eher dominant oder eher devot? Bitte geben Sie Ihre sexuellen Lieblingspraktiken an. Und dann folgte eine lange Ankreuzliste, in der sich die lesbische Liebe ebenso wie Elektrostimulation, Cupping, Fesselspiele, BDSM, Cageing, Device Bondage, CosPlay, Fetisch, Oralverkehr und so ziemlich alles, was du dir nur vorstellen kannst, fand.“ „Und das hast du alles ausgefüllt?“ „Ja, zwei geschlagene Stunden lang. Und mich dabei gefragt, was ich eigentlich tue. Ob ich verrückt bin. Ob es nicht Wahnsinn ist, meine intimsten Interessen in ein Computerprogramm einzugeben. Ganz zuletzt stand da noch eine Liste der Eigenschaften, die ich mir bei meiner Traumfrau oder meinem Traummann wünschte. Auch zum Ankreuzen.“

„Was du gemacht hast.“ „Was ich gemacht habe. Nach der letzten Eingabe erschien ein Bitte-Warten-Schriftzug.“ „Und dann?“ „Dann meldete das Programm, dass es in seiner Datenbank sechs infrage kommende Partner gefunden hätte. Um aber Details zu erfahren, musste ich mich kostenpflichtig registrieren.“ „Wieviel?“ „Hundert Euro. Aber das schien es mir wert zu sein. Dafür bekam ich einen Nick zugeteilt und erhielt nähere Angaben zu den infrage kommenden Partnern. Es handelte sich um fünf Männer und um eine Frau.“ „Warte … moment mal – eine Frau dabei? Bist du etwa bi?“ „Ja. Manchmal jedenfalls. Aber mein Hauptinteresse liegt beim anderen Geschlecht. Ich erhielt die Nicks der infrage kommenden Kandidaten. Zusätzlich noch Angaben dahingehend, inwieweit deren Profile kompatibel zu mir waren – also zu wieviel Prozent wir zusammenpassen sollten – und in welcher Entfernung von mir sie wohnten. Im Gegenzug wurden die sechs Kandidaten darüber in Kenntnis gesetzt, dass mein Profil zu ihren Interessen passte.“

„Ähh, langsam jetzt. Was genau meinst du mit kompatibel?“ „Da kann ich nur mutmaßen, denn genau weiß ich das natürlich nicht. Aber ich vermute, dass die Software sowohl nach Übereinstimmungen wie auch nach einander ergänzenden Gegensätzen suchte. Nur, um mal ein paar Beispiele zu nennen: Die Hobbys beider Partner sollten schon einigermaßen gleich sein. Und wenn ich mich als sexuell experimentierfreudg und neugierig eingeschätzt habe, dann sollte das gleichermaßen auf die infrage kommenden Partner zutreffen. Aber auch umgekehrt: Meine eigene Charakterisierung als eher dominant setzt beim Partner eine Charakterisierung als devot voraus, damit es passt. Schließlich gab es dann da ja noch die Beschreibung des Traumpartners, die wohl auch eine Rolle spielte. Das Programm hat all das miteinander abgeglichen, verrechnet und so seine Ergebnisse gefunden. Glaube ich jedenfalls.“

„Was geschah danach?“ „Danach konnte ich per PCA-Chat über die nunmehr bekannten Nicks Kontakte zu den sechs Partnern knüpfen, um mir mein eigenes Bild zu machen. Einer stach dabei ganz besonders hervor.“ „Dein Eugen?“ „Ja, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich noch nicht. Namen und Adressen waren mir ja unbekannt. Den Partnern natürlich auch. Mein späterer Eugen und ich entschlossen uns dann, es miteinander zu versuchen. Jeder überwies an PCA fünfhundert Euro und nun erhielten wir alle Partnerdaten: Den ausgefüllten Fragebogen, die Adresse, Mail, Telefonnummer usw. Jeder von uns Beiden kannte daraufhin so ziemlich alle intimen Details und Wünsche des anderen. Womit wir automatisch aus der Datenbank draußen waren. Wir hatten anschließend ein Date, trafen uns. Einmal, zweimal – es lief perfekt. Immer. Alles. PCA ist wirklich sehr zu empfehlen.“

„Wie lange kanntet ihr euch eigentlich, bevor ihr geheiratet habt?“ „Knapp ein halbes Jahr. Doch das reichte vollkommen aus. Eugen und ich ergänzen uns gegenseitig in geradezu perfekter Form.“ „Hmm… – und daraus leitest du heute ab, dass er dich nicht betrügen könnte? Ziemlich gewagt …“ „Nein, ganz so verhält es sich natürlich nicht. Er steht auf Keuschhaltung. Ich auch, aber bei ihm. Das hier ist sein Schlüssel!“ Mit diesem Worten griff Esther an ihre Halskette und förderte, daran hängend und bisher tief in ihrem Ausschnitt verborgen, einen kleinen Schlüssel zutage. Dorothea klappte angesichts dieser Eröffnung die Kinnlade herunter.

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Meine Bücher findet ihr zum Einheitspreis von 4,99 Euro bei Beam. Selbstverständlich DRM-frei und durch das PDF-Format kompatibel zu fast allen eBook-Readern, Computern, Tablets und Smartphones. Sinnlich und erotisch: Lesen einmal etwas anders … 😉

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