Die Wölfin

Ich bin ja nun über den Jahreswechsel hinweg und auch noch etwas länger für ein paar Wochen mit einer guten Freundin, ihres Zeichens eine Wildbiologin, die sich mit Wölfen befasst, unterwegs gewesen. Was gleich aus verschiedenen Gründen sehr viel Spaß gemacht hat; ihr ahnt vielleicht schon warum … 😉 . Bei der Gelegenheit lernte ich die Wölfe zu bewundern und zu respektieren. Angst muss vor den Tieren niemand haben, sofern man sich nicht gerade völlig falsch verhält. Respekt hingegen ist durchaus immer angebracht. Aber es waren der Charakter meiner Feundin und das Verhalten dieser beeindruckenden Tiere, die mich zu einer kleinen, erotischen Fantasy-Geschichte inspiriert haben. Hier ist also „Die Wölfin“ – extra für euch!
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Die Wölfin

Ein Urlaub in den Bergen sollte es sein. Fernab vom touristischen Trubel, zum Wandern, Alleinsein und Abschalten. Zum Genießen der Natur, um wieder zu sich selbst zurück finden zu können, ein Ausstieg auf Zeit eben. Eugen hatte sich dazu über die Suchmaschine „Preiswert Übernachten“ eine kleine und auch ziemlich abgelegene Pension gesucht. Die Wirtsleute – ein älteres Ehepaar – gaben ihm auf seine Frage hin auch gleich hervorragende Wandertipps. Drei Tage war er nun schon hier, nicht allzu weit entfernt von Oberstdorf in den Allgäuer Alpen. Das Nebelhorn war seinerseits bereits gestern erfolgreich in Angriff genommen worden und das Wetter spielte ja auch so hervorragend mit. Heute nun stand ihm der Sinn nach einer anderen, weit weniger ausgebauten, urtümlichen und daher auch wilderen Route. „Lassen Sie das lieber sein, denn das Wetter wird bald umschlagen!“, prophezeite Franzl, der Wirt, ihm sinngemäß, denn mit dem wörtlichen Verständnis des urbayrischen Dialektes hatte Eugen so seine ganz eigenen Probleme.

Doch Eugen schlug die Warnung in den Wind: Was sollte schon passieren? Draußen war doch allerherrlichstes Spätfrühlingswetter und die paar Schönwetterwölkchen oben zwischen den Bergen … Außerdem hatte er ja auch gar nicht vor, den ganzen Tag über unterwegs zu sein. Nur ein paar Stunden, denn nach der gestrigen Tour meldeten sich seine Füße nun doch schon etwas und auf den leichten Muskelkater hätte er auch gerne verzichten können. „Ich geh‘ dann mal los – vorsichtshalber nicht allzu weit“, meinte er nach dem Frühstück zum Wirt. Der nickte brummelnd und entgegnete in seinem unverwechselbaren Dialekt: „Sie werden’s ja sehen! Bleiben Sie lieber da! Heute ist Vollmond!“ Was sollte denn diese letzte Bemerkung jetzt bedeuten? Der Gast fragte nicht nach, denn ihm stand der Sinn nicht gerade nach Diskussionen. Vollmond: „Vielleicht hat dieser Urbayer ja Angst vor Wehrwölfen“, dachte der Urlauber belustigt.

So machte Eugen sich auf den Weg. Bald schon lagen die befestigten Pfade hinter ihm und er wanderte über schmale Geröllpisten. Die Zeit verging. Gegen Mittag – er machte gerade eine Rast – musste er Franzl wohl doch recht geben, denn aus den Schönwetterwölkchen war eine massive Wolkenfront entstanden, deren fernes Grummeln nichts Gutes erahnen ließ: Höchste Zeit zum Umkehren! Doch obwohl er ein geübter Bergwanderer war und sich die Strecke genau eingeprägt hatte, kam er irgendwann und irgendwie vom Weg ab. Berge vor und hinter ihm. Karge Landschaft und er hatte jegliche Orientierung verloren. Die Sonne war unter der Wolkendecke verschwunden; unmöglich zu sagen, wo sie jetzt gerade stand, wo welche Himmelsrichtung zu finden sein sollte. „Mist, verstiegen“, dachte er bei sich und ging weiter.

Wind kam auf. Der führte anfangs eiskalten Regen mit sich und trotz der wetterfesten Kleidung musste Eugen schon binnen kurzer Zeit feststellen, dass es ihn mehr und mehr durchnässte. Er schleppte sich weiter, bei sich immer mehr verschlechternden Sichtverhältnissen. Es wurde kälter. „Jetzt bloß nicht noch irgendwo abstürzen“, ging es ihm durch den Sinn. Seine Erschöpfung wuchs. Die Temperatur fiel weiter. Aus dem Regen wurden Eiskristalle, welche ihm schmerzhaft ins Gesicht schnitten. Schnee und Eis wechselten einander ab und er konnte kaum noch etwas erkennen. Auch das Licht hatte stark nachgelassen – lag es nun an der dicken Wolkendecke oder dämmerte es bereits? Wie lange war er eigentlich schon hier oben unterwegs? Sein Zeitgefühl existierte nicht mehr und seine Armbanduhr war stehen geblieben. Alles wirkte wie aus einer anderen Welt. Er wusste nur eins ganz genau: „Ich werde hier oben elendig verrecken, wenn ich nicht bald den Rückweg finde!“

Da – schimmerte da vor ihm nicht ein Licht durch das Eis- und Schneegestöber? Vorsichtig hielt er darauf zu. Tatsächlich! Eine Hütte! Gerettet! Es fiel ihm schwer, dieses Geschenk des Himmels zu erreichen. Das Licht fiel nur aus einem Fenster und schwankte stark, gerade so, als stamme es von Kerzen. Es gab also Bewohner! „Hilfe“, stammelte er am Ende seiner Kräfte, als er an die Tür pochte und sackte langsam zusammen. Das Bewusstsein war ihm abhanden gekommen. Doch nicht für lange. Dämmeriges Licht flackernder Kerzen beim Erwachen. Dazu die wohlige Wärme eines Kaminfeuers. Eugen fühlte, dass er auf einem Fell lag und wollte aufstehen, doch da waren unnachgiebige Seile, die ihn auf seiner Unterlage fest fixierten. Er öffnete die Augen vollständig und stellte fest, dass er nackt war.

Vor ihm stand eine Frau, die den Inbegriff der Weiblichkeit personifizierte: Fleischgewordene Versuchung! Langes, gepflegtes, brünettes Haar, welches die wundervoll großen Brüste nur unzureichend zu verdecken vermochte. Hochgezogene Wangenknochen, die ihr einen leicht exotischen Ausdruck verliehen, dazu offensichtlich Beine bis zum Hals, gertenschlank und dennoch durchtrainiert-muskulös. Über allem trug sie einen erotisch-edel wirkenden, semitransparenten und goldfarbenen Hausmantel, der so exquisit gearbeitet worden war, dass er den Blick geradezu auf BH und Slip – beide von blutroter Farbe – fokussierte. Ein Teil von ihm reagierte sofort auf diesen Stimulus. „Was … – wo bin ich?“ stammelte Eugen. Dann fiel sein Blick auf den Begleiter der Frau. Neben ihr saß ein wirklich riesiger Wolf. Das Raubtier wirkte ausnehmend gefährlich.

Die geradezu unirdische Schönheit bemerkte seinen Blick. „Das ist Fred. Er ist harmlos – so lange ich ihm nicht das Gegenteil befehle.“ „Wer sind Sie?“ „Du kannst mich die Wölfin nennen. Alle tun das. Jedenfalls alle, die schon einmal mit mir zu tun hatten.“ Sie wies auf den Körperteil von Eugen, der auf ihren Anblick reagiert hatte: „Offensichtlich gefalle ich dir. Willst du mit mir schlafen? Ich würde das nämlich sehr begrüßen, so einsam wie es hier oben manchmal ist.“ „Ich … – jaa…“ „Sehr schön. Aber zu meinen Bedingungen. Ich habe dich aus Sicherheitsgründen festgebunden, denn ich weiß, wie Männer auf meinen Anblick reagieren. Du wirst auch angebunden bleiben. Aber keine Angst, lass‘ mich nur machen!“ Mit diesen Worten und geradezu raubtierhafter Grazie entledigte sie sich ihrer spärlichen Kleidung und legte sich in all ihrer naturgegebenen Schönheit zu dem Gast auf das Fell. Er spürte sie warm, fordernd, fühlte ihren weichen, warmen, anschmiegsamen Körper.

Für die Beschreibung dessen, was anschließend folgte, reichen Worte bei Weitem nicht aus. Ihre heiße Haut, ihr Duft, ihre sinnlich-erotischen Berührungen, heiße Lippen, die beinahe schon animalische Begierde … Die Welt um Eugen versank; nackte, vibrierende Schenkel schenkten ihm allerhöchste Glücksgefühle und eine kaum zu bändigende Lust schien ihn zu versengen. Das Liebesspiel dauerte sehr lange und am Höhepunkt ihrer Ekstase biss sie ihn sogar noch in die Schulter. Ein paar Tropfen Blut flossen und Fred, der Wolf, heulte plötzlich auf. Das brachte beide Partner in die Gegenwart zurück. Die Frau, die sich die Wölfin nannte, löste sich lächelnd von Eugen. Ihre Finger fuhren über die kleine Wunde an der Schulter des Mannes und ihre Finger wiesen anschließend eine leicht rötliche Färbung auf. Sie leckte sie ab. Just in diesem Moment geschah etwas mit dem riesigen Wolf, der neben ihrem Liebeslager verharrt hatte.

Der began nämlich unvermittelt, sich auf dem Boden zu wälzen, gerade so, als hätten ihn Krämpfe befallen. Ungerührt sah die bildschön-bezaubernde Frau zu und Eugen glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als der Wolf sich schließlich in einen nackten Mann verwandelte. „Du gibst mich frei, Herrin“, stellte Fred fest. „Ja, mein Lieber. Das Ritual für einen neuen Partner ist vollzogen worden. Du bist ab sofort frei. Nun wähle deine künftige Gestalt: Wolf oder Mensch?“ Fred überlegte kurz und entschied sich: „Wolf!“ „Wolf oder Wölfin?“ „Wolf!“ „Dann ist es entschieden!“ Sie schnippte mit den Fingern und erneut setzte die Verwandlung ein. Fred, der Mann, wurde wieder zum Wolf. Eugen schaute zu und befürchtete, auf einem Trip zu sein. Doch es erschien alles so erschreckend realistisch!

Seine Gastgeberin, die sich die Wölfin nannte, legte den Hausmantel mit elegantem Schwung wieder an. Slip und BH ließ sie achtlos liegen und wandte sich an den Wolf: „Nun geh‘! Such‘ dir eine Partnerin, auf dass unser Geschlecht weiter bestehe!“ Sie öffnete die Tür – Eugen konnte draußen kurz Schneetreiben erblicken und ein eisiger Windhauch fuhr in das Zimmer – und der Wolf schoss hinaus. „Was war das? Was macht er jetzt? Was geschieht mit ihm? Und … – die Verwandlung?“ Eugen verstand die Welt nicht mehr. Doch er fühlte sich untrennbar zu dieser Frau hingezogen und spürte eine gewisse Unruhe in sich. Hier ein Ziehen, da ein unerklärliches Muskelzittern. Sie schaute ihn an: „Viele Fragen. Ich werde sie dir beantworten. Du wirst mir die Antworten allerdings wahrscheinlich zuerst nicht glauben. Doch dann, wenn du am eigenen Leib erfährst, worum es geht, wirst du es akzeptieren und mir sogar dankbar dafür sein. Wie heißt du eigentlich?“ „Eugen – und du?“ „Nenn‘ mich Herrin oder Wölfin. Das reicht völlig.“

Abschätzend schaute sie auf den Wehrlosen herunter: „Die Fesseln bleiben noch für eine Weile dran. So lange, bis ich sicher sein kann, dass du für mich harmlos bist. Lange wird das aber nicht mehr dauern. Höchstens ein paar Stunden. Du wunderst dich sicher über das, was gerade geschehen ist, nicht wahr?“ Eugen, ziemlich durcheinander, nickte. Die Wölfin setzte sich zu ihm, wobei ihr Hausmantel auseinander klaffte und den Blick auf ihren herrlichen Busen frei gab. Ihre heißen Hände streichelten zärtlich und doch zugleich Besitz ergreifend über seinen Leib, schenkten ihm dadurch erneut höchste Wonnen.

„Fred und ich – wir sind Wehrwölfe. Ich war es schon immer. Fred habe ich dazu gemacht.“ „Aber …“ „Nein, sei still. Ich weiß, was du jetzt denkst. Die alten Sagen der Menschen über grausame Wehrwölfe und dieser ganze Kram. Nun, das entbehrt nicht einer gewissen Grundlage. Aber es kommt völlig falsch rüber. Unser Geschlecht existiert schon so lange, wie es euch Menschen gibt. Wir können ohne euch Menschen nicht existieren. Umgekehrt verhält es sich übrigens ganz ähnlich, denn die Wehrwölfe haben immer wieder korrigierend in die Geschichte eingegriffen. Allerdings unerkannt und das ist auch ganz gut so.“

Eugen hätte das, was die Wölfin ihm gerade erzählte, für total durchgeknallt gehalten, wäre da nicht noch die mit eigenen Augen gesehene Verwandlung von Fred in seinem Gedächtnis gewesen. So sagte er nur: „Weiter! Was macht Fred jetzt?“ „Er ist zum Wanderwolf geworden und sucht sich eine Partnerin. Irgendwo auf dieser Welt. Mit ihr wird er eine neue Wölfin wie mich zeugen.“ Eugen verstand die Welt nicht mehr und schaute schaute das begehrenswerte Wesen, das ihn so vollkommen durcheinander brachte, fragend an: „???“ Sie amüsierte sich köstlich über seinen verständnislosen Blick.

„Also von Anfang an. Wehrwölfe sind dreigeschlechtlich. Es beginnt mit einer Wölfin wie mir. Immer mit einer Wölfin. Ein menschlicher Partner – oder eine Partnerin, denn es gibt auch lesbische Wehrwölfe – wird erwählt. Es kommt zum Sex – lange, wild, exzessiv und animalisch. Im Moment größter Ekstase erfolgt der Biss. Nur ein kleiner Biss, aber das reicht aus, denn damit ist die Saat gepflanzt. Etwas vom Wesen der Wölfin geht auf den menschlichen Partner über. Existiert ein früherer Partner, dann wird der just in diesem Moment freigegeben. Der neue Partner hingegen – du! – verwandelt sich unaufhaltsam. Das dauert ein paar Stunden. Du spürst es sicherlich bereits.“

Ja – Eugen fühlte es. Das Zittern und Ziehen in seinem Körper. Gar nicht mal unangenehm und sich mitunter sogar ausgesprochen erotisch-stimulierend anfühlend. Irgendwie kraftvoll. „Und dann?“, fragte er. „Dann … – frühestens nach einem Tag, meist aber erst nach zwei oder drei Tagen, kann der Partner sich in einen Wolf verwandeln. Die Rückverwandlung zum Menschen ist nur um den Vollmond herum, eine Woche vorher bis eine Woche hinterher, möglich. Eine geborene Wehrwölfin hingegen kann sich jederzeit verwandeln. Der Partner wird der Herrin oder Wölfin – also mir – hörig. Bis die einen neuen Partner findet und ihren alten Partner freigibt. Der kann dann wählen, in welcher Gestalt er fortan existieren will, nämlich als Mensch oder als Wolf. Wechseln kann er dann nicht mehr. Irgendwann wird sich der alte Partner fortpflanzen und einer solchen Verbindung eine Tochter entspringen. Die wird dann zur nächsten Wölfin. So vermehren wir uns.“

Eugen überlegte kurz und entgegnete: „Aber … – aber dann müsste die Welt doch bereits voll von Wehrwölfen sein!“ „Nein. Wir sind weder unsterblich noch unverletztlich, auch wenn unsere Lebensspanne extrem lang ist. Unser Regenerationsvermögen ist schier unvorstellbar groß und Krankheiten vermögen uns nichts anzuhaben. Unsere Lebensdauer geht in die hohen Jahrtausende. Dennoch geschieht es, dass auch ein Wehrwolf stirbt, denn es gibt eine Substanz, die unsere Regeneration unterbindet.“ „Silberkugeln?“, mutmaßte Eugen, während er sich bereitwillig ihren geilen Berührungen hingab und dabei trotz seiner Fesselung vor Lust wand. „Ja, Silber überhaupt, in jeder Form. Auch in Form von Silberkugeln. Daraus ist die Sage der Menschen entstanden, dass man einen Wehrwolf nur mit Silberkugeln erschießen kann. Das funktioniert tatsächlich. Einige von uns hat es auf diese Weise erwischt. Und wir sind nur sehr, sehr Wenige. Weil wir uns nur alle paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte mal fortpflanzen.“

„Wird sich mein menschlicher Körper auch verändern?“ „Ja, etwas. Er wird stärker und zugleich verweiblicht. Deine Züge werden runder und fraulicher. Du wirst eine, wenngleich auch im Vergleich zu echten Frauen kleine, Brust bekommen und beginnen, feminin zu denken und zu handeln. Aber deine Manneskraft bleibt bestehen. Sie nimmt sogar noch merklich zu. Ich muss ja schließlich auch etwas davon profitieren.“ Sie lächelte bei diesen letzten Worten aufreizend und er verstand. Ihr neuer Partner überlegte kurz und meinte dann, einem im Grunde genommen völlig irrationalen Gedanken nachgebend: „Wird mir danach meine Kleidung eigentlich noch passen?“ „Oh, mach‘ dir deswegen keine Sorgen. Die existiert bereits jetzt nicht mehr. Ich habe sie nutzbringend“ – sie wies auf das lodernde Kaminfeuer – „entsorgt. Du wirst Kleidung von mir tragen. Ich verfüge über einen reichhaltigen Fundus von Slips, BHs, Miedern, Nylons und so weiter. Ein Teil hübscher und aufreizender als das andere. Und wenn du erst einmal das Gefühl von Damenwäsche auf deiner nackten Haut erlebt hast, dann wirst du auch niemals wieder etwas anderes tragen wollen.“

Der Mann schluckte: Das waren ja schöne Aussichten! „Wie alt bist du eigentlich wirklich?“, begehrte er zu wissen. Die Wölfin veränderte ihre Position und legte sich erneut zu ihm auf das Fell, kuschelte sich eng an: Erregend heiße Haut auf erregt-heißer Haut! Kurz spielten ihre heißen Lippen mit seinen Nippeln; danach sagte sie: „Was glaubst du? Wie alt schätzt du mich?“ „Na ja – so zwischen zwanzig und dreißig.“ Sie lachte glockenhell auf: „Ich bin exakt 3258 deiner Jahre alt.“ „Aber dann … kann Fred doch unmöglich dein erster Partner gewesen sein!“ „Das war er auch nicht. Er war nur einer in einer langen, schier endlosen Abfolge von Partnern. Wie du auch einer bist. Irgendwann werde ich auch dich wieder freigeben und jemand anders tritt an deine Stelle.

„Und dann?“ „Dann stehst du vor der gleichen Wahl wie Fred vorhin. Du kanst ein künftiges Dasein als Mensch wählen. Irgendwann – denn deine Langlebigkeit und dein Regenerationsvermögen bleiben dir so lange erhalten, wie du noch keine Wehrwolf-Nachkommen gezeugt hast – wirst du auf eine Frau treffen und sie schwängern. Sollte der Verbindung eine Tochter entspringen dann wird die zur nächsten Wölfin. Wählst du hingegen ein Dasein als Wolf, dann triffst du auf eine tierische Wölfin. Das weibliche Tier aus diesem Wurf wird zur Wölfin, wie ich sie bin, werden. Wählst du ein Dasein als Wölfin – die Verweiblichung deines Körpers hat dafür den Grundstein gelegt – dann paarst du dich irgendwann mit einem Rüden. Auch das weibliche Tier dieses Wurfs wird zur Wölfin meines Schlages. Und bei lesbischen Wehrwölfen wird die freigegebene Partnerin von einem Mann geschwängert. Dort funktioniert es genauso: Es ist zwar immer eine Wölfin, mit der ein neuer Zyklus beginnt, doch diese Wölfin kann selbst keinen Nachwuchs austragen. Dafür werden Mensch oder Wolf benötigt.“

Es fiel Eugen in seiner sich stetig steigernden Erregung zunehmend schwerer, sich hinreichend auf das Gespräch konzentrieren zu können. Doch bevor seine Sinne sich vollends in der einsetzenden Ekstase verwirrten, fragte er noch: „Und woher weiß die neue Wölfin um ihren Status als Wehrwolf?“ „Es gibt da noch die Zwischenwelt. Sie wird von all den Wesen bevölkert, die ihr Menschen nur aus Sagen kennt. Von Vampiren, Kobolden, Elfen, Nixen, Dryaden usw. Sie ist unser zweites Zuhause. Das der Wölfinnen. In dem Augenblick, in dem die Tochter – die künftige, neue Wölfin – geboren wird und auch lebt, verlierst du die extreme Langlebigkeit und deine Regerationsfähigeit. Diese Eigenschaften gehen unmittelbar auf sie über und erlauben es ihr auch, jederzeit nach Belieben in die Zwischenwelt zu wechseln. Auch ich kann das. Dir hingegen wird die Zwischenwelt ewig versperrt bleiben. Dorthin ziehen sich auch die Wölfinnen meines Schlages ab einem Alter von etwa zehntausend deiner Jahre zurück. Sie übernehmen es, deine Tochter zu erziehen und über ihren besonderen Wehrwolf-Status aufzuklären, so dass das Kind in dieser Welt keine Probleme haben wird. Und jetzt genug der Worte. Lass‘ es einfach geschehen …“

Er spürte ihr Zittern und wilde Lust stieg in ihm auf. Wieder dauerte das Lieblingspiel der Erwachsenen sehr lange; wieder war es von animalischer Wildheit geprägt, diesesmal aber ohne den Biss. Er konnte die Geilheit in ihrem Körper spüren und irgendwann rollte der Orgasmus heran, nahm sie beide mit in das Universum höchster Lust. Als sie schließlich voneinander abließen, da dachte er nur: „Was für eine Frau!“ und betrachtete sie instinktiv als seine Herrin. Sie spürte es; wortlose Verständigung. „Zeit, um dir deine Fesseln abzunehmen“, meinte sie und machte sich daran, Eugen zu befreien. „Ich hole dir etwas zum Anziehen. Zivilisierte Kleidung.“ So geschah es, dass Eugen zum ersten Mal in seinem Leben Damenwäsche anlegte. Die extrovertierte Kleidung erforderte etwas Mut und fühlte sich zunächst ungewohnt an, doch binnen allerkürzester Zeit wusste er das Gefühl von seine Haut streichelnden Edeldessous sehr zu schätzen, denn es vermittelte ihm ein gehöriges Stück an neuer Lebensqualität. „Femme Fatale nennt sich dieses Modell“, erläuterte seine Herrin und setzte hinzu: „In absehbarer Zeit wirst du immer dann, wenn du bekleidet als Mensch auftrittst, wie eine wunderschöne Frau aussehen.“ „Danke, Herrin“, sagte er nur und das kam wirklich von Herzen.

Am zweiten Tag nach ihrem Biss setzte erstmals die Verwandlung in einen Wolf ein. Anfangs zog sich das noch eine ganze Weile hin und bereitete ihm Schwierigkeiten, doch später wurde es mit jedem folgenden Gestaltwechsel immer einfacher. Binnen der zwei Wochen zwischen den Vollmonden, in denen ihm die Verwandlung in einen Menschen nicht möglich war, durchstreifte ein Wolfspaar die Berge und bald kannte er jeden einzelnen Kieselstein. Das war die Zeit der Nahrungsaufnahme und Nahrung konnte er kilometerweit wittern. Er wusste, wo häufiger mal Gemsen abstürzten. Er liebte es, wie sich seine Sinne als Wolf erweiterten, wie er Geräusche vernahm, die niemals eines Menschen Ohr hören würde oder wie er Gerüche erfuhr, die er als Mensch gar nicht wahrnehmem konnte.

Während der Woche vor und nach dem Vollmond konnte er sich mit Erlaubnis seiner Herrin zurück in den Menschen verwandeln, der er einst gewesen war. Nahrung spielte in diesen zwei Wochen keine Rolle. An ihre Stelle traten die körperlichen Freuden – ungehemmt und tabulos, imer wieder und bis hin zur Besinnungslosigkeit. Sie beide lebten ein Leben in absoluter Freiheit, vollkommen ungebunden und jederzeit ihren Instinkten und Trieben nachgeben könnend. So verging die Zeit, verging Jahr um Jahr, verstrichen viele Jahrzehnte. Die Welt drehte sich in dieser Zeit weiter; sie veränderte sich. Kriege und Seuchenzüge dezimierten die Anzahl der Menschen. Die beiden Wehrwölfe focht das jedoch nicht an. Sie waren dagegen gefeit. Mehr noch: Mit jedem Menschen weniger in ihrem Lebensraum erweiterten sich ihre eigenen Freiräume.

Irgendwann kehrte wieder Ruhe ein. Irgendwann – 120 Erdenjahre waren seit ihrem Biss ins Land gegangen – wurden die Berge auch mal wieder von Wanderern frequentiert. Dadurch konnte sich die Geschichte wiederholen. Seine Herrin gabelte in Menschengestalt einen verirrten Bergwanderer auf und brachte den zur Hütte. Sie schlief mit ihrem Gast, während der Wolf zuschaute. Am Höhepunkt ihrer Ekstase biss sie zu. Es durchfuhr den Wolf wie ein Blitz und er gab das typische Heulen von sich. Unmittelbar danach setzte seine Verwandlung in einen Menschen ein. Der Gast war wie vom Donner gerührt. Sprachlos und mit offenem Mund verfolgte er die Szene. Nackt stand Eugen nun vor dem Paar: „Ihr gebt mich frei, Herrin!“ Es handelte sich um eine Feststellung. „Ja“, antwortete sie und fragte: „In welcher Gestalt willst du fortan leben? Mensch oder Wolf?“ Eugen dachte an das schöne Gefühl der exquisiten Kleidung und entschied sich: „Als Mensch!“ Sie schnippte mit den Fingern und bestätigte: „Dann sei es so! Du darfst uns noch zusehen bis es draußen etwas aufklart. Anschließend gehst du für immer und erfüllst deine Bestimmung!“ „Ja, Herrin.“

Eugen durfte sich noch für ein paar anregende Stunden an den aufreizenden Aktivitäten des neuen Paares ergötzen. Er bekam mit, wie die Wölfin ihren neuen und durch die exzessiven, körperlichen Aktivitäten auch erschöpften Partner über dessen Status als Wehrwolf aufklärte. Schließlich, als sie dem die Fesseln abnahm, klarte es draußen auf und Eugen machte sich, verkleidet als Frau, auf den Weg. Sein Ziel bildete ein aufgelassenes Gehöft. Dort würde er männliche Kleidung finden und auch hier in den Bergen bleiben können. Er würde das Gehöft nach Kräften wieder herrichten, sich von dem ernähren, was die Berge ihm boten und sich auf lange Sicht als Bergführer verdingen, denn keiner konnte sich hier oben besser als er selbst auskennen. So geschah es dann auch.

Wieder vergingen Jahre. Jahre, in denen Eugen bei Vollmond sehnsüchtig in die Richtung schaute, aus der er einst gekommen war, um sein zweites Leben als Mensch anzutreten. Jahre, in denen er wieder und wieder nach der Hütte seiner Wölfin suchte, ohne die jemals finden zu können – bis ihm schließlich dämmerte, dass besagte Hütte wohl doch einen Schittpunkt zu der ihm unzugänglichen Zwischenwelt darstellte. Manchmal glaubte er, in weiter Ferne zwei Wölfe laufen zu sehen. Echt oder Einbildung? Seine Fähigkeiten als Bergführer hatten sich herumgesprochen. Auf einer seinerseits geführten Bergtour lernte er Ellen kennen. Sie gefiel ihm und er gefiel ihr. So lernten sich beide näher kennen.

„Ich muss dich aber warnen …“, gestand Ellen ihm neckisch, „… meine sexuellen Interessen sind nicht gerade alltäglich.“ „Meine auch nicht“, gestand er ihr und setzte schmunzelnd hinzu: „Aber vielleicht ergänzt sich das ja. Was magst du denn ganz besonders?“ „Ich bin eine dominante Fetischistin. Ich stehe auf Lack, Latex und Bondage. Bondage meines Partners. Und bei dir?“ Er beichtete ihr sein Faible für Damenwäsche. Nun war es an Ellen zu schmunzeln: „Ich glaube, wir beide könnten ganz gut zusammen passen. Wollen wir es versuchen?“ Sie versuchten es miteinander. Es funktionierte sogar sehr gut. Drei Jahre darauf gebahr Ellen ihm eine Tochter. Kaum auf der Welt spürte Eugen, wie sich etwas in seinem Innersten gravierend veränderte. Er hätte nicht zu sagen vermocht, was das war, doch die Veränderung – eine Art von Verlust – bestand dauerhaft. Doch der Mann wusste, worum es dabei ging: Seine Wehrwolf-Fähigkeiten waren auf die Tochter übergegangen. Ein neuer Zyklus hatte begonnen und er selbst war jetzt wieder ganz und gar zum Menschen geworden.

Eugens Tochter entwickelte sich prächtig. Zum Leidwesen ihrer Mutter turnte sie nur allzu gerne mutterseelenallein draußen, auf den Felsen herum: Gefährlich! Eugen nahm es mit einem Lächeln. Für ihn stand außer Zweifel, dass seiner Tochter nichts passieren konnte. Die Mutter sah das selbstverständlich vollkommen anders und bezichtigte ihn der Ignoranz. So begann sich das Verhältnis zwischen Eugen und Ellen rapide zu verschlechtern. Als ihre Tochter in die Pubertät kam, verschwand sie von heute auf morgen spurlos. Eugen ging – übrigens völlig zu recht – davon aus, dass sie jetzt in die Zwischenwelt gewechselt war. Doch das konnte er Ellen nicht beibringen. Es gab nun einmal Geheimnisse, die besser geheim bleiben sollten. In Folge zerstritt sich das Paar und Ellen zog für immer aus. Sie sahen sich nie mehr wieder.

Eugen blieb allein oben in den Bergen zurück. Er alterte zusehends. Es kam die Zeit, da spürte er den Tod nahen. Er legte sich auf sein Bett und ließ sein Leben Revue passieren. Hatte er etwas falsch gemacht? Nein, eigentlich nicht. Er würde auch heute noch alles genau so wiederholen. Seine Füße fühlten sich bereits kalt und taub an. Die Kälte – er empfand sie nicht einmal als unangenehm – kroch langsam höher. Plötzlich ein Geräusch. Er drehte den Kopf. Eine wunderschöne, junge Fau war an sein Bett getreten. Er erkannte sie sofort wieder. „Du bist zurück gekommen“, flüsterte er unter Auferbietung aller noch verbliebenen Kräftte. „Ja“, entgegnete seine Tochter nur und schaute ihn an. Wortloses Verstehen. Wie damals bei ihrer echten Mutter, der Wölfin. Ihre Züge ähnelten auch denen ihrer echten Mutter. „Danke!“, flüsterte Eugen sein letztes Wort, als die Kälte das Herz erreichte seinen letzten Atemzug auslöschte. Er schloß die Augen mit einem Lächeln auf dem Gesicht. „Ich danke dir – Vater!“, sagte seine Tochter und küsste den Toten ein letztes Mal auf die Stirn.

Sie begrub ihn. Anschließend wandte sich ab und trat auf die Almwiese vor dem Haus, schaute empor zu den schroffen, ewigen Gipfeln. „Zeit, dass ich mir einen Partner suche“, knurrte sie mehr als dass sie es sagte und dann setzte die Verwandlung ein. Nur kurze Zeit später hätte ein aufmerksamer Beobachter eine junge Wölfin erblicken können, welche die Berge hinauf jagte, einem fernen Ziel entgegen, das nur sie selbst kannte. Doch einen solchen Beobachter gab es nicht. Zurück blieb lediglich ein Haufen von Kleidung: Ein schwarzroter, spitzenbesetzter Slip Ouvert, der dazu passende BH mit Körbchengröße 90F, ein aufreizend gestaltetes BH-Hemdchen, Nylons mit Hüftgürtel, ein exquisites und raffiniert geschnittenes, alle weiblichen Attribute zwar verdeckendes, aber doch gleichzeitig auch zur Schau stellendes Kleid, Jacke und Schuhe. Eugens Tochter benötigte diese Kleidung nicht mehr. Für sie hatte die Zeit der Wehrwölfe begonnen …

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