Interessante Zahlen

Es geschieht selten genug, dass sich die Wissenschaft mit der Sexualität (im Sinne von sexuellen Vorlieben) befasst. Doch bei Spektrum ist zur Abwechslung mal so ein Artikel erschienen. Einer, der sich mit den etwas härteren Spielarten der schönsten Nebensache der Welt befasst, also mit BDSM. Der Beitrag liefert u. a. hochinteressante Zahlen, wobei man tausende von Menschen nach ihren sexuellen Vorlieben mit Hinblick auf BDSM befragt hat, also eine doch schon recht stattliche (um nicht zu sagen repräsentative) Anzahl. Diese Zahlen will ich hier einmal zusammenfassen und aus meiner Sicht kommentieren.

„44 Prozent der befragten Männer und 24 Prozent der Frauen hatten bereits einmal davon fantasiert, eine andere Person beim Sex zu schlagen.“
Das bedeutet: Ungefähr jeder zweite Mann und ungefähr jede vierte Frau ist dem Spanking gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt. Ich muss gestehen, dass mich diese Zahlen doch sehr erstaunt haben, denn so, wie solche Spiele im allgemeinen offiziell entrüstet abgelehnt werden, hätte ich mit einem wesentlich geringeren Prozentsatz gerechnet.

„Von Tagträumen mit Fesselspielen berichtete knapp die Hälfte der 1500 Teilnehmer.“
Auch das ist bemerkenswert: Jede(r) Zweite möchte die Lust durch Unterwerfung bzw. im umgekehrten Falle die Lust durch Dominanz einmal erfahren. Das betrifft beiderlei Geschlechter und ist somit keineswegs eine Minderheit oder gar selten. Im Gegenteil: Es scheint urnormal zu sein.

„Etwa drei von zehn Befragten hatten sich sogar schon einmal vorgestellt, zum Sex gezwungen zu werden.“
Hier betreten wir u. a. den Bereich von FemDom und LezDom. Der ist für jeden dritten Menschen, unabhängig davon, ob es sich um Mann oder Frau handelt, grundsätzlich interessant. Woraus sich auch unschwer folgern lässt, dass jeder dritte Mensch auf das geile Spiel von Macht und Unterwerfung abfährt.

„Etwa 1,8 Prozent gaben an, im vorangegangenen Jahr BDSM praktiziert zu haben.“
Umgerechnet ist das etwa eine(r) von fünfzig. D. h. die Mehrheit praktiziert die durchaus sehr lustvollen, härteren Spielarten des Sex nicht wirklich, obwohl durchaus mehr Menschen im Innern einen Wunsch danach verspüren. Hier wäre es mal interessant zu erfahren, woran das wohl liegen mag: Sind es Tabus? Ist es Verklemmtheit? Vorurteile? Oder ist das einfach nur auf mangelndes Vertrauen der Partner untereinander zurück zu führen, weil BDSM-Praktiken ja ein absolutes Höchstmaß an Vertrauen zueinander voraussetzen? Immerhin: Wenn ihr einen Mietblock mit 15 Haushalten zu im Mittel jeweils drei Bewohnern nehmt, dann dürfte einer von denen dabei sein, der BDSM tatsächlich praktiziert. Es muss also gar nicht mal besonders lange nach diesen Genießern gesucht werden.

„…finden 24 Prozent der Deutschen BDSM-Praktiken reizvoll.“
Daraus lässt sich unschwer ableiten, dass etwa jede vierte Person neugierig auf sexuelles Neuland ist. Aber was hindert euch daran, es einmal auszuprobieren? BDSM beschränkt sich ja nicht nur auf Fesselspiele und Spanking. Das Gebiet gibt noch sehr lustvoll sehr viel mehr her, von der Elektrostimulation über Fetisch, Toys, Cupping, Device Bondage, Cageing, Blindfold, die Keuschhaltung usw. bis hin zur Feminisierung. So, wie ich es z. B. in meinen Büchern beschreibe. Traut euch doch einfach mal etwas Neues auszuprobieren!

„15 Prozent gaben an, diese schon einmal ausprobiert zu haben.“
Anders ausgedrückt: Einer von vierzehn Menschen hat bereits praktische BDSM-Erfahrungen gesammelt. Stellt euch mal ein geselliges Beisammensein wie bspw. eine Grillparty mit vierzehn Personen vor: Eine davon hat BDSM bereits praktiziert. Gar nicht mal so selten, nicht wahr? Was (außer gesellschaftlichen Vorbehalten) hindert euch eigentlich daran, es dieser Person gleich zu tun, zumal die Erfolgschance angesichts der eingangs genannten Zahlen gar nicht mal so gering ist? Oder, anders ausgedrückt: Was hindert euch eigentlich daran, offen und ehrlich gewisse Vorlieben zuzugeben und auch auszuleben? Ihr seid damit nämlich ganz und gar nicht allein und wenn daraus eine Win-Win-Situation für beide resultiert, dann … Von diesen 15% werden in absteigender Reihenfolge Masken und Augenbinden, Fesseln, Handschellen und zuletzt Peitschen bevorzugt. Mit Ausnahme der Handschellen sind es die Frauen, denen das mehr als den Männern liegt.

Diese Zahlen belegen aber noch etwas: Unsere Gesellschaft mag zwar sexuell aufgeklärt sein, aber mit der sexuellen Toleranz kann es, wenn sich so viele Menschen ihrer grundnatürlichen Neigungen schämen und die sogar (voreinander?) verbergen müssen, nicht sonderlich weit her sein. Das Verbergen indiziert aber auch einen immensen Vertrauensverlust: Traurig, wenn sogar zwei miteinander intime Menschen einander kein richtiges Vertrauen schenken können! Dabei haben BDSM-Praktiken wirklich nichts mit psychischen Störungen zu tun; sie werden eben nur als „irgendwie anrüchig, gestört oder pervers … sein“ vorverurteilt. Zitat: „…dass die Vorliebe für BDSM mit ‚Sensation Seeking‘ einhergeht. Dabei handelt es sich um einen Persönlichkeitszug, der Nervenkitzel und Abwechslung verlangt.“ Und: „Einem bekannten Leitsatz zufolge sollte BDSM immer ’safe, sane, consensual‘ durchgeführt werden, das heißt sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich.

Daneben gibt es aber noch etwas, was aus dem eingangs verlinkten Beitrag hervor geht und was mir ausgesprochen wichtig erscheint, nämlich die Tatsache, dass bei den härteren Spielarten des Sex mitunter kaum festgefügte Sub-Dom-Beziehungen existieren. D. h. viele Leute wechseln die Rollen (sg. „Switcher“) und ziehen folglich mehr Befriedigung aus EPE-Praktiken („Erotic Power Exchange“), sind also heute mal Sub und morgen mal Dom. Das hat sehr viel mit Gleichberechtigung zu tun und auch damit, beide Seiten der Medaille kennen zu lernen. Solche Kenntnisse stärken das Vertrauen zueinander, denn jeder Partner weiß dann, wie weit sie oder er gehen kann! Wenn sich dabei dann irgendwann beibehaltene Sub-Dom-Rollen herauskristallisieren sollten: Auch gut. Gerade die können nämlich zur Stabilisierung einer Beziehung entscheidend mit beitragen.

Wirklich schwierig ist es eben nur, herauszufinden, ob ein Partner auch entsprechende Interessen zeigt. Noch schwieriger ist es, festzustellen, ob ein Partner beim tatsächlichen Vorliegen solcher Interessen auch bereit ist, die auszuleben oder sie aufgrund von (gesellschaftlichen) Vorurteilen doch lieber zum beiderseitigen Nachteil unterdrückt. Vielleicht lasst ihr solche Partner mal den eingangs verlinkten Wissenschaftsbeitrag lesen. Mag sein, dass dadurch das Eis gebrochen wird.

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Ein Gedanke zu “Interessante Zahlen

  1. Hallo, in jedem Menschen steckt ein mehr oder weniger ausgeprägtes Verlangen BDSM in unterschiedlicher Intensität. Ich (Mann) stehe auf Hodenabbinden, Schläge und quetschen der Hoden. Erstaunlich wie sich das Schmerzempfinden in Lust bis zum Orgasmus entwickelt und das V erlangen nach mehr zunimmt. Ähnlich ist auch mit Brustmasse und Nippelstrecken (melken). Sicher werde ich noch mehr entdecken und probieren.

    Liebe Grüße Perter (bald Petra)

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