Die App

Fast ein Jahr liegt mein letzter Blogeintrag jetzt schon zurück: Kinder, wie die Zeit vergeht! Ich habe in dieser Zeit viel erlebt und bin immer noch – freiwillig wie es zu betonen gilt – bei Nicole. Zusammen befanden wir uns für mehrere Monate außer Landes, denn es gibt da jemanden, der nicht nur sehr reich ist, sondern der anspruchsvolle Unterhaltung auch wirklich zu schätzen weiß. Durch ihn wurde uns beiden der Eintritt in ganz exquisite Kreise eröffnet. Für das Internet blieb mir da keine Zeit mehr. Außerdem gilt Nicoles Verbot, mich eigenmächtig im Web zu betätigen immer noch. Diesen Beitrag verfasse ich daher mit ihrer ausdrücklichen Erlaubnis. Sie meinte, es sei an der Zeit, mich einmal wieder in das Gedächtnis meiner Leserschaft zurück zu rufen – zumal ich so nebenbei auch noch an einem neuen Buch arbeite. Eine der Geschichten aus diesem Buch will ich euch mal zur Kenntnis bringen. Die dort beschriebene App gibt es (noch?) nicht; die ist rein fiktiv. Allerdings: Wer so etwas zu programmieren vermag und sich dazu berufen fühlt – nur zu! Und nun viel Vergnügen mit der neuen Geschichte!
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Die App

„Kerstin?!? Seit wann bist du denn aus dem Urlaub zurück? Und warum hast du dich nicht bei mir gemeldet?“ „Oh, Jessica! Entschuldige, tut mir leid! Aber ich bin gestern abend erst zurück gekommen.“ „Erzähle! Wie war’s?“ „Nicht hier. Wollen wir uns nicht da drüben in das Straßencafé setzen? Ich habe Zeit.“ „Ja, gute Idee.“ Die beiden ausgesprochen attraktiv aussehenden, sehr wohlgeformten Frauen – von Zeit zu Zeit sogar intime Freundinnen – steuerten einen Tisch im Café an, setzten sich und gaben ihre Bestellungen auf. Nachdem sich die Bedienung entfernt hatte, meinte Jessica: „Ich habe in den zwei Wochen öfter an dich denken müssen. Du ganz allein auf einer Nordsee-Insel und nur Regenwetter … – das muss doch totlangweilig gewesen sein!“ Kerstin lachte laut auf und erwiderte: „Langweilig? Nein, ganz und gar nicht! Es war der schönste und bemerkenswerteste Urlaub meines Lebens!“ „Dann warst du nicht allein“, folgerte Jessica messerscharf. „Nein, war ich auch nicht. Er hieß Tobias und im Grunde genommen sind wir bloß noch zum Essen aus den Betten raus gekommen. Er war vielleicht nicht der Hellste, konnte aber dafür mit Knackarsch, Wespentaille und Waschbrettbauch aufwarten. Also genau das richtige Spielzeug für mich.“

„Ja, und deine Art zu spielen kenne ich nur zur Genüge. Hart, an Grenzen gehend und die mitunter soar überschreitend, dabei aber immer absolut tabu- und hemmungslos!“ „Na ja, schließlich gibt’s da ja auch drei liebeshungrige Öffnungen …“ „Das musst du mir jetzt aber etwas genauer erklären! Wie alt war er? Wie habt ihr euch kennen gelernt?“ „Er war 27, von Mutter Natur hervorragend ausgestattet, unermüdlich, phantasievoll und körperlich ziemlich leistungsstark und …“ „Moment mal“, wurde Kerstin von Jessica unterbrochen, „du bist jetzt fast 40 und könntest seine Mutter sein! Schämst du dich denn gar nicht?“ „Nein, überhaupt nicht. Du kennst doch mein Motto: Erlaubt ist, was Spaß macht. Und glaub‘ mir: Es hat irrsinnigen Spaß gemacht! Ich war ich förmlich dauergeil. Außerdem bin ich doch immer noch ziemlich sexy, oder etwa nicht?“ „Doch, das bist du“, musste Jessica schmunzelnd zugeben. „Aber jetzt sag‘ mir, wie du ihn kennen gelernt hast.“ „Damit“, antwortete Kerstin und wies auf ihr Handy. Anschließend setzte sie hinzu: „Schon gleich am ersten Tag.“

Jessica runzelte die Stirn: „Wie jetzt? Wie darf ich das denn verstehen?“ „Erinnerst du dich noch an Bernies Geburtstag?“ „Ja klar. Du hattest ganz schön getankt und bist früh gegangen.“ „Stimmt“, entgegnete Kerstin, „weil ich es öde fand und hundemüde war. Aber ich konnte nicht schlafen. In meinem aufgekratzten Zustand surfte ich durch’s Internet und fand eine Handy-App, die sich ‚Make Love Not War‘ nannte. Die war kostenlos. Ich lud sie runter, neugierig wie ich nun einmal bin. „Kostenlos gibt’s gar nichts. Dann bezahlst du mit deinen Daten dafür und bekommst im günstigsten Fall personalisierte Werbung.“ „Ja, das ist richtig. Aber gerade diese Werbung hat es sowas von in sich … Die dort angebotenen Artikel sind etwas delikat, weil von ausgesprochen intimer Natur. Die findest du sonst nirgends und die sind sooo nützlich …“ „Jetzt machst du mich aber echt neugierig! Sex sells, nicht wahr? Erzähl‘ weiter – was hat es mit dieser App auf sich?“

„Die App vermittelt Sexkontakte, so einfach ist das! Nach dem Runterladen werden dir eine URL und ein Code angezeigt. Mit dem Code kannst du dich unter der genannten Adresse auf einer Internetseite einloggen und ein anonymes Profil deiner geheimsten sexuellen Interessen und Wünsche erstellen – sehr detailliert und äußerst intim. Außerdem ermöglicht der Code es, das Profil auch noch im Nachhinein jederzeit aktualisieren zu können. Je mehr du über dich preisgibst – je genauer du also dein Profil erstellst – desto besser wird hinterher auch die Trefferquote.“ „Und desto zielgerichteter ist die Werbung, die du bekommst, so dass du im Grunde genommen gar nicht mehr nein sagen kannst“, folgerte Jessica. „Ja, das stimmt irgendwo schon …“, antwortete Kerstin, dachte an die vielen daraufhin erworbenen, ziemlich exquisiten Lustspender und setze hinzu: „Aber die Sachen sind auch so überirdisch geil! Echt rattenscharf! Doch weiter: In meinem damaligen Zustand – ich war völlig enthemmt – füllte ich das Profil komplett aus. Das dauerte ziemlich lange, nämlich volle zwei Stunden. Erst als ich das abschickte dämmerte es mir, was ich da gerade getan hatte.“

„Und weiter? Ich meine, du hast damit doch deine intimsten Interessen aller Öffentlichkeit zugänglich gemacht! Ich hätte das niemals gewagt!“ „Äh, nein, so läuft das mit ‚Make Love Not War‘ nicht. Es ist ganz anders als du denkst.“ „Wie anders? Was wurde da denn überhaupt detailliert abgefragt?“ „Zum Beispiel ob du auf Fesselspiele stehst und wenn ja, ob du lieber den Partner fixierst oder dich von ihm bzw. ihr fixieren lässt. Wie dein Interesse am anderen und am gleichen Geschlecht aussieht. Hart oder soft. Zweisamkeit oder Gang Bang. Oral oder vaginal. Ob du eher dominant oder eher devot veranlagt bist. Wie du es mit Fetischen hälst oder inwieweit du beim Sex experimentierfreudig bist und Love Toys mit ins Spiel bringst. Falls ja, von welcher Art. Daneben selbstverständlich noch Alter, Geschlecht, ein Foto usw. Du musst deinen Traumpartner beschreiben. Und …“ „Halt, halt – ich verstehe schon was du meinst. Du brauchst da jetzt nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Was dann?“

„Ja, also, nach dem Erstellen des Profils kann ‚Make Love Not War‘ am Handy aktiv geschaltet werden. Die App läuft nicht im Hintergrund, sondern nur dann, wenn du sie explizit aktivierst. D. h. wenn du wirklich Lust verspürst, wenn du geil und auf ein Abenteuer aus bist. Dann erscheint ein kleiner Balken auf dem Display. Der geht von Violett über Rot und Gelb nach Grün. Eine kleine Prozentanzeige im Balken zeigt den aktuellen Status an. Violett bedeutet, dass kein potenzieller Kontakt in der Nähe ist. Was du als Nähe definierst, kannst du selbst wählen – also 10, 50 oder 100 Meter im Umkreis. Rot heißt zwar, dass jemand da ist, aber dass dessen Profil nicht zu deinem eigenen Profil passt. D. h. wenn ich dominant angegeben habe und ein anderer Nutzer auch dominant ist, dann kommt das nicht zusammen. Es muss schon devot sein, damit es zwischen beiden hinhaut.“ „Ja, verstehe – und die anderen Farben?“ „Gelb signalisiert mäßige und Grün hohe Übereinstimmung. D. h. bei Gelb käme es auf den Versuch an und bei Grün passt alles schon sehr gut zusammen. Zusätzlich gibt es bei über neunzig Prozent, also bei geradezu perfekter Kompatibilität der Profile, noch einen Vibrationsalarm.“

„Und du hast die App aktiviert?“ „Ja – mir war langweilig und ich war heiß. Eingeschaltet habe ich die schon während der Überfahrt auf der Fähre. Und sie gab Vibrationsalarm – Profilkompatibilität 96%!“ „Wie findest du dann deinen Sexkontakt?“ „Indem ich ‚Profilübermittlung‘ antippte. Erst dann, wenn der potenzielle Partner das auch tut, erhalten beide die Profile des jeweils anderen. Oder der jeweils anderen. Inklusive Bild zwecks Identifikation. Damit wird sichergestellt, dass sich wirklich nur ernsthafte Interessenten treffen. Alles weitere liegt anschließend bei einem selbst.“ „So bist du also auf Tobias gestoßen – oder er auf dich?“ „Wir sind beide aufeinander getroffen. Ohne die App wäre das allerdings niemals passiert. Was dann folgte war ein vorsichtiges Beschnüffeln und – ja! – auch eine bereits recht delikate Unterhaltung. Weil: Ich wusste ja von der App, was er bevorzugt. Das er sich gerne unterordnete und beherrschen ließ. Das er eine starke, feminine Seite hat. Und er wusste, was ich will und auch, dass ich auf feminine Männer stehe. Wir haben einander perfekt ergänzt.“ „Das bedeutet … – da ich deine dominante Ader und deinen Hang, Macht über andere auszuüben ja kenne und schätze – dass Tobias sich recht submissiv gegeben haben muss.“

„Hat er auch. Es war allerdings wirklich sein Wunsch, mich mit ‚Herrin‘ anzusprechen, das muss ich unbedingt betonen!“ „Und? Warst du ihm eine Herrin?“ „Oh ja! Eine unersättliche und fordernde Herrin zugleich. Zwar manchmal strafend, aber auch durchaus gerecht. Noch auf der Fähre befahl ich ihm, mich zuerst zu meinem Appartment zu begleiten. Dort sichteten wir gemeinsam, was ich an Love Toys eingepackt hatte, denn – du kennst mich ja! – eine gewisse Vorsorge für ansprechende Unterhaltung bei etwaigem Regenwetter war bereits vor der Abreise getroffen worden. Also Elektrostimulation, Vibratoren und so. Anschließend begleitete ich Tobias zu seinem Appartment. Love Toys besaß er nicht, dafür aber exquisite Unterwäsche, die er in meinem Beisein umgehend anzulegen hatte.“ „Was denn für welche?“ „Hochgeschlossene Mieder, eins in zartem Hellblau und eins in verruchtem Blutrot, dazu Strapse und Nylons. Die Sachen standen ihm wirklich gut und er sah echt heiß darin aus. Vielleicht etwas befremdlich, doch auf eine merkwürdige Weise gefiel mir das irgendwie. Ich wurde allein schon vom Anblick ganz feucht. Er trug sie später unsichtbar unter seiner Oberbekleidung, als wir gemeinsam zum Essen gingen.“

„Dann hast du dir also einen devoten Damenwäscheträger mit Sklavenallüren geangelt. Wie ging’s weiter?“ „Nun, es regnete, und was lag da näher, als sich gleich näher kennenzulernen? Demut war sein Geschenk an mich. Er gestand mir, dass ihm das Tragen von Damenwäsche ein gehöriges Stück an mehr Lebensqualität schenkt, denn er liebt dieses Gefühl des sicheren Verpacktseins und das seidige Umschmeicheln der Haut durch die Nylons. Es vermittelt ihm einen stetigen Sinnesrausch. Ich für meinen Teil sah das als etwas unvollständig an und überedete ihn, konsequenterweise auch gleich noch Slipeinlagen zu tragen. Wobei es allerdings nicht vieler Überredungskunst bedurfte. Eigentlich rannte ich sogar offene Türen ein. Wir rekapitulierten, was an Spielzeug für Erwachsene vorhanden war und was wir zuallererst noch gebrauchen könnten. Er erzählte mir von ein paar simplen, aber hochwirksamen Eigenkonstruktionen aus Bändern oder Stretchgummi, mit denen er sein bestes Stück manchmal fixierte. Das interessierte mich brennend. Was lag also näher, als all das, was wir kriegen konnten, sofort zu beschaffen? Zuerst gingen wir folglich shoppen und besorgten das, was meiner Meinung nach noch fehlte. Also bspw. stabile Seile, Klammern, Fliegenklatschen, Kerzen, Einmachgummis usw. Was wir nicht besorgen konnten, das bestellte ich gleich per Internet. Und soll ich dir mal was verraten? 24h-Blitzlieferungen sind zwar teuer, aber die gibt es auch auf den Inseln!“

„Kerstin, mal ehrlich: Willst du mir wirklich einreden, dass er volle zwei Wochen lang durchgehalten hat? Gerade bei dir und deiner Unersättlichkeit?“ „Ja, hat er wirklich! Es war überwältigend! In weiser Voraussicht hatte ich nämlich Tadacip eingesteckt. Eine Tablette alle drei Tage und die Sache lief. Wenn er wirklich mal eine kurze Erholung brauchte, dann verließ ich mich auf seine überaus zartfühlenden Finger und auf seine flinke und wendige Zunge. Es war himmlisch! Das es die zwei Wochen praktisch nur geregnet hat, ist uns eigentlich gar nicht zu Bewusstsein gekommen. Mal vergnügten wir uns bei ihm und mal bei mir.“ Kerstin lächelte und fuhr fort: „Ich kaufte ihm übrigens ein hübsches Kleid. Das hatte er zu tragen, wenn wir in den Appartments unter uns waren. Ich nannte ihn dann auch nicht mehr Tobias sondern stattdessen Myriel. Und weißt du was? Das gefiel Myriel über alle Maßen und stachelte sie nur noch mehr an. Die Zeit verging wie im Fluge. Irgendwann kamen der letzte Tag, eine letzte heiße Berührung und der letzte Kuss auf der Fähre und dann trennten wir uns. Vorerst jedenfalls.“

„Wieso vorerst? Ist die Affaire denn noch nicht vorbei?“ „Oh nein, selbstverständlich nicht. Am Wochenende kommt er mich besuchen; das hat er mir versprochen.“ „Glaubst du, dass er sein Versprechen auch einhält?“ Kerstin griff draufhin lächelnd an ihre Halskette und zog die aus dem tiefen Tal zwischen ihren großen Brüsten hervor. Am Ende der Kette baumelte ein kleiner Schlüssel und sie antwortete: „Myriel kann doch gar nicht anders! Was sagst du nun?“ Jessica machte große Augen, griff nach ihrem Handy und fragte: „Wo finde ich diese App?“

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Meine Bücher findet ihr zum Einheitspreis von 4,99 Euro bei Beam. Selbstverständlich DRM-frei und durch das PDF-Format kompatibel zu fast allen eBook-Readern, Computern, Tablets und Smartphones. Sinnlich und erotisch: Lesen einmal etwas anders … 😉

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